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“Viel Frauenpower in Solothurner Topbetrieben”

aus dem EventEmotion Magazin, Text & Bilder: Marc Benedetti

Eigentlich sollte es kein Thema mehr sein, aber ist doch immer wieder eines: Frauen erobern die Chefetagen! Wir sprechen mit vier Unternehmerinnen, die bekannte Solothurner Hotels und eine kulturelle Institution leiten. Und zwar über «Female Leadership», die feinen Unterschiede – existieren sie? – sowie den Geschäftsgang der Betriebe nach der Corona-Pandemie.

Im Hotel La Couronne, einem der ältesten Beherbergungsbetriebe der Schweiz, wo das Gespräch stattfindet, ist die weibliche Führungsriege definitiv kein Zufall. «Ich führe den Betrieb mit meinem Küchenchef zusammen», erklärt Claudia Vogl. «Mein Leitungsteam ist aber mit dieser Ausnahme zu 100 Prozent weiblich», betont die Couronne-Direktorin. «War das ein bewusster Entscheid?», fragt die stellvertretende Leiterin des Museums Altes Zeughaus Franziska Weber interessiert. «Bewusst und unbewusst», meint Vogl. «In meinem Kader arbeiten alle seit sechs Jahren bei uns. Sie haben sich alle auf ihre Positionen emporgearbeitet.»

Vor vier Jahren übernahm sie die Leitung – die Organisation des Betriebs wurde neu diskutiert und unter dem Küchenchef Martin Elschner und ihr eine Führungsebene eingeführt. Statt neue Stellen zu schaffen und mit Leuten von aussen zu besetzen, setzte der Betrieb auf internes Know-how: Die Mitarbeiterinnen mit Leitungspositionen stiegen eine Stufe empor. Mittlerweile hat sich das bewährt.

«Martin macht seinen Part in der Küche. Er hat einen sehr wichtigen sowie anspruchsvollen Part und ohne ihn wären wir aufgeschmissen. Wir hegen und pflegen unseren Küchenchef natürlich», sagt Claudia Vogl. «Hoffentlich!», sagt eine Teilnehmerin, alle lachen. «Die operative Leitung managen aber primär wir Frauen», fügt Vogl hinzu. Sie arbeitet 80 Prozent, um auch Zeit mit ihren zwei kleinen Kindern verbringen zu können.

Auch die anderen Unternehmerinnen erzählen, wie «Female Leadership» in ihren Betrieben gelebt wird. «Ich habe mir das lange überlegt», sagt Franziska Weber vom Museum Altes Zeughaus, «bei uns wird dies insofern gelebt, als dass Geschlecht bei Stellenbesetzungen kein Thema mehr ist.» Die Qualifikation entscheidet – und die Einschätzung, ob jemand ins Team passt; dieses sei ausgeglichen zusammengesetzt. Im Museumsrat – quasi dem Verwaltungsrat – sitzen momentan drei Männer und zwei Frauen. «Dort hat man nach dem Rücktritt einer Frau entschieden, dass diese Vakanz wieder durch eine Frau besetzt werden soll», erklärt Weber.

Sie hat auch eine Anekdote auf Lager: Zur Arbeit im Team Empfang / Aufsicht des Museums gehört auch das Bügeln – im wörtlichen Sinn: die Tischwäsche für kleinere Anlässe muss geglättet werden. Franziska Weber: «Beim ersten Mann, der sich für die Stelle bewarb, habe ich mich fast dafür entschuldigt und habe dies nachher bedauert.» Bei Bewerbungsgesprächen mit Frauen habe sie diese Arbeit nebenbei erwähnt – und vorausgesetzt, dass dies akzeptiert wird. «Ich hätte mich ohrfeigen können.»

Das grösste Hotel von Solothurn, das moderne H4 Hotel zwischen Bahnhof und Aare, hat seit 2022 mit Susan Filip eine junge Direktorin. Eigentlich sollte die Geschlechterfrage kein Thema mehr sein. Es bestehe aber sicher eine grössere Offenheit gegenüber dem Thema Familie und Teilzeitarbeit, wenn mehr Frauen in der Führung arbeiteten, bemerkt sie. Die deutsche Gruppe H-Hotels.com betreibt fünf Häuser in der Schweiz. Drei werden aktuell von Frauen und zwei von Männern geleitet. «Laut einer Analyse ist der Frauenanteil im Unternehmen 47 Prozent», erklärt sie.

Eva Gauch ihrerseits leitet das Alte Spital, zu dem Tagungsräume, ein Restaurant und soziokulturelle Angebote gehören. Sie hat ihre Gastrokarriere in einem von zwei Frauen geführten Betrieb begonnen – im Restaurant Pintli in Feldbrunnen-St.Niklaus. Frauenführung ist normal für sie und bedeutet nicht automatisch «soft». «Ich bin ziemlich tough», sagt Gauch. Der Umgang untereinander sei aber nach ihrer Beobachtung ein anderer, wenn eine Frau den Betrieb leite, «es ist persönlicher.»

Frauen reagierten anders bei persönlichen Schicksalsschlägen der Mitarbeitenden, fragten eher nach. Dem stimmen auch die anderen Teilnehmerinnen zu, eine lebhafte Diskussion entbrennt. «Ein empathischer Mann würde auch nachfragen», meint Franziska Weber. Es sei nicht gut, wenn Probleme Mitarbeitende unterschwellig beschäftigten, aber diese nicht angesprochen würden, sind sich die Chefinnen einig. Manche Männer warteten ab oder bemerkten die «Störung» gar nicht. Ihre Intuition helfe Frauen auch, schwierige Situationen zu meistern. «Man muss auf sein Herz hören», fügt Claudia Vogl hinzu, «mit dem Herz kommt man weiter.» «Ich führe die La Couronne wie eine Familie», bringt die Directrice von La Couronne ihre Philosophie auf den Punkt, «jeder hat seinen Platz und keiner wird fallengelassen. Aber wir sprechen auch die unangenehmen Dinge direkt an!»

Was sind die Bedürfnisse nach der Corona-Pandemie?

Das Persönliche und die Nähe sind gefragt – auch bei MICEKunden. «Wir haben weniger 0815-Anlässe als vor Corona. Mehr Individualität ist gefragt», sagt Eva Gauch vom Alten Spital. Für Claudia Vogl gehört es zur DNA von Solothurn, dass man freundlich empfangen wird – und die lokalen Hotels und Institutionen sich nicht neiden.

«Es ist ein Kuchen, der jeden Tag zwischen uns neu aufgeteilt wird», so die Hotelière. «Wir empfehlen uns gegenseitig und geben den Gästen Tipps», fügt Eva Gauch hinzu, «das nehmen die Gäste als extrem positiv wahr.» Ein Vorteil sei auch, dass MICE-Kunden mit Solothurn Services eine zentrale Anlaufstelle vorfinden.

Laut den Unternehmerinnen geht der Trend in Richtung kürzere und kompaktere Veranstaltungen. Franziska Weber vom Museum stellt fest, dass das Geld für Anlässe vorhanden ist. Die Firmen überlegten sich aber den Einsatz der Mittel genauer: «Manche Kunden organisieren nur noch einen Anlass pro Jahr, dafür mit einem grösseren Budget und Apéro.»

Generell sei das Geschäft – ob Business oder Leisure – volatiler und kurzfristiger geworden. Es werde Kulanz erwartet von Kundenseite und die Betriebe müssten reagieren – und sich bewegen. «Vertragsbedingungen mit 90 Tage für Umbuchungen sind jetzt wohl nicht mehr realistisch», sagt Susan Filip. Doch die Leistung der Beherbergungsbetriebe müsse einen Wert haben, sind sich die Teilnehmerinnen des Gesprächs einig – bevor sie alle wieder weiter arbeiten gehen.


Die 39-jährige Claudia Vogl ist deutsch-österreichische Doppelbürgerin. Nach ihrer Ausbildung startete sie ihre berufliche Laufbahn in verschiedenen Wiener Gourmet- und Sterne-Restaurants, war danach im Sternerestaurant Olivo im Hotel Steigenberger Graf Zeppelin in Stuttgart stellvertretende Restaurantleiterin/Sommelière, bevor sie in die Schweiz kam. Unter anderem arbeitete sie in «Petermanns Kunststuben» und baute mit Iris Petermann das Restaurant Weiss Kreuz in Malans/GR auf. Seit 2019 ist Claudia Vogl Directrice von «La Couronne» in Solothurn.

Vier Chefinnen vor der schönen Stadtkulisse: Claudia Vogl, Susan Filip, Franziska Weber, Eva Gauch (v.l.n.r).

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